À fleur de peau - Klanganzug für

einen Körper (2003)

Klanginstallation mit 16 Kontaktlautsprechern und einem 16-Spur Audiosystem.

 

 
  »À Fleur de Peau« ist eine Klanginstallation, in der der Betrachter individuell eine ganzkörperliche Tast- und Klangerfahrung macht.

In der Klanginstallation »À Fleur de Peau« fließen Interessen ein, die in meinen vorherigen Arbeiten schon präsent sind. In einem durch Stoff abgetrennten Raum hängen von der Decke an unterschiedlich langer weißer Litze unterschiedlich große weiße Stoffbinden, in die kleine Lautsprecher eingenäht sind. Das ganze strahlt eine kühle Laboratmosphäre aus und erinnert visuell an eine Anlage für ein Ganzkörper-EKG. Dieses Objekt ist aber nicht zum Anschauen gedacht, sondern zum individuellen Spüren und Hören. Ich betreue diese Arbeit. Nachdem der Gast seine Schuhe ausgezogen hat, fixiere ich an seinem Körper die Lautsprecher mit Hilfe von Klettverschluss-Binden. Der Gast bekommt Ohrstöpsel, um Geräusche von außen nicht mehr so deutlich zu hören. Dann wird eine zehnminütige Komposition abgespielt. Er spürt Vibrationen am Körper und hört Klänge von innen kommen.

Die Lautsprecher sind von den Füßen bis zum Kopf symmetrisch am Körper verteilt. Sie befinden sich auf beiden Fußrücken, in den Kniekehlen, im unteren Wirbelsäulenbereich, an den Handrücken, den Ellbogen, den Schulterblättern, im Nacken, an den Schläfen und auf der Stirn. Es werden Kontaktlautsprecher verwendet, die im Gegensatz zu üblichen Lautsprechern kaum hörbar sind, dafür aber stark schwingen. Sie werden erst hörbar, wenn sie an einem Resonanzkörper befestigt sind. Das ist in diesem Fall der Körper des Rezipienten. Die Klänge werden über die Knochenleitung zum Innenohr geleitet.

  Die Sechzehnspur-Komposition erzeugt den Eindruck, dass die Klänge und ebenso die durch diese entstehenden Vibrationen am Körper entlang wandern. Die Vibrationen variieren mit den Frequenzen der Klänge. Sie wirken entweder rhythmisch oder flächig. Die Klänge wurden an einem Modularsystem durch Wandlung, Filterung und Überlagerung von Sinus-, Rechteck- und Sägezahnwellen erzeugt und haben einen skurrilen Charakter, etwa wie manche Sounds von alten Computerspielen. Diese Klänge wählte ich allerdings nicht nach ihren akustischen Qualitäten. Wichtig war mir viel mehr die Differenziertheit ihrer Schwingungen, um am Körper unterschiedlich spürbare Reize für die Komposition zur Verfügung zu haben.

Die Klänge habe ich dann in einer zehnminütigen Komposition verarbeitet. Sie ist nach rhythmischen und räumlichen, nicht nach harmonischen Kriterien gestaltet. Räumlich, weil über die sechszehn an der Körperoberfläche verteilten Lautsprecher, die Möglichkeit entsteht, die Gegensatzpaare „oben – unten“, „links – rechts“, „Mitte – Extremitäten“, „vorne – hinten“ sowie „wenig – viel“ durch Klänge zu definieren. Ebenso lassen sich steigende und abfallende, kreisende, schnelle und langsame Bewegungen schaffen.

Im Alltag legt man tendenziell seine Aufmerksamkeit auf den Raum außerhalb des Körpers, allenfalls wird man durch Schmerz oder Wohlempfinden auf bestimmte Punkte des Körpers aufmerksam. Durch die Tast- und Klangerfahrung in der Klanginstallation wird der Körper jedoch plötzlich sehr stark als Raum empfunden. Um die filigranen, taktilen Reize zu orten und zu spüren, konzentriert sich der Rezipient schon nach kurzer Zeit so stark, dass er meist die Augen schließt und »in sich hinein taucht«.

Mit meiner Arbeit möchte ich den Betrachter der üblichen visuellen Wahrnehmung vollständig entziehen und ihn selbst zum Klangkörper werden lassen. Diese Arbeit beinhaltet keinen interaktiven Aspekt, ich würde sie eher als »interpassiv« bezeichnen, da der Rezipient nicht zur Aktion herausgefordert wird, sondern eher im Gegenteil zu einer ruhigen Aufmerksamkeit eingeladen wird. Die Vorrichtung lässt ihm jedoch in einem begrenzten Spielraum die Freiheit sich zu bewegen. Durch Änderung der Muskelspannung und der Anordnung der Lautsprecher zueinander kann der Rezipient auch die Wahrnehmung der Impulse verändern oder den Klangwegen durch Bewegung nachfolgen.

Dieses Klangobjekt hat einen entspannenden Einfluss auf ihren Benutzer, ich habe jedoch in der Komposition immer wieder überraschende Momente eingefügt, die nicht nur als angenehm empfunden werden somit auch andere Gefühle auslösen.



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