Klanginstallation mit 16 Kontaktlautsprechern und einem 16-Spur
Audiosystem.
»À Fleur de Peau« ist eine Klanginstallation,
in der der Betrachter individuell eine ganzkörperliche Tast-
und Klangerfahrung macht.
In der Klanginstallation »À Fleur de Peau« fließen
Interessen ein, die in meinen vorherigen Arbeiten schon präsent
sind. In einem durch Stoff abgetrennten Raum hängen von der Decke
an unterschiedlich langer weißer Litze unterschiedlich große
weiße Stoffbinden, in die kleine Lautsprecher eingenäht
sind. Das ganze strahlt eine kühle Laboratmosphäre aus und
erinnert visuell an eine Anlage für ein Ganzkörper-EKG.
Dieses Objekt ist aber nicht zum Anschauen gedacht, sondern zum individuellen
Spüren und Hören. Ich betreue diese Arbeit. Nachdem der
Gast seine Schuhe ausgezogen hat, fixiere ich an seinem Körper
die Lautsprecher mit Hilfe von Klettverschluss-Binden. Der Gast bekommt
Ohrstöpsel, um Geräusche von außen nicht mehr so deutlich
zu hören. Dann wird eine zehnminütige Komposition abgespielt.
Er spürt Vibrationen am Körper und hört Klänge
von innen kommen.
Die Lautsprecher sind von den Füßen bis zum Kopf symmetrisch
am Körper verteilt. Sie befinden sich auf beiden Fußrücken,
in den Kniekehlen, im unteren Wirbelsäulenbereich, an den Handrücken,
den Ellbogen, den Schulterblättern, im Nacken, an den Schläfen
und auf der Stirn. Es werden Kontaktlautsprecher verwendet, die im
Gegensatz zu üblichen Lautsprechern kaum hörbar sind, dafür
aber stark schwingen. Sie werden erst hörbar, wenn sie an einem
Resonanzkörper befestigt sind. Das ist in diesem Fall der Körper
des Rezipienten. Die Klänge werden über die Knochenleitung
zum Innenohr geleitet.
Die Sechzehnspur-Komposition erzeugt den Eindruck,
dass die Klänge und ebenso die durch diese entstehenden Vibrationen
am Körper entlang wandern. Die Vibrationen variieren mit den
Frequenzen der Klänge. Sie wirken entweder rhythmisch oder flächig.
Die Klänge wurden an einem Modularsystem durch Wandlung, Filterung
und Überlagerung von Sinus-, Rechteck- und Sägezahnwellen
erzeugt und haben einen skurrilen Charakter, etwa wie manche Sounds
von alten Computerspielen. Diese Klänge wählte ich allerdings
nicht nach ihren akustischen Qualitäten. Wichtig war mir viel
mehr die Differenziertheit ihrer Schwingungen, um am Körper unterschiedlich
spürbare Reize für die Komposition zur Verfügung zu
haben.
Die Klänge habe ich dann in einer zehnminütigen Komposition
verarbeitet. Sie ist nach rhythmischen und räumlichen, nicht
nach harmonischen Kriterien gestaltet. Räumlich, weil über
die sechszehn an der Körperoberfläche verteilten Lautsprecher,
die Möglichkeit entsteht, die Gegensatzpaare oben
unten, links rechts, Mitte Extremitäten,
vorne hinten sowie wenig viel
durch Klänge zu definieren. Ebenso lassen sich steigende und
abfallende, kreisende, schnelle und langsame Bewegungen schaffen.
Im Alltag legt man tendenziell seine Aufmerksamkeit auf den Raum außerhalb
des Körpers, allenfalls wird man durch Schmerz oder Wohlempfinden
auf bestimmte Punkte des Körpers aufmerksam. Durch die Tast-
und Klangerfahrung in der Klanginstallation wird der Körper jedoch
plötzlich sehr stark als Raum empfunden. Um die filigranen, taktilen
Reize zu orten und zu spüren, konzentriert sich der Rezipient
schon nach kurzer Zeit so stark, dass er meist die Augen schließt
und »in sich hinein taucht«.
Mit meiner Arbeit möchte ich den Betrachter der
üblichen visuellen Wahrnehmung vollständig entziehen und
ihn selbst zum Klangkörper werden lassen. Diese Arbeit beinhaltet
keinen interaktiven Aspekt, ich würde sie eher als »interpassiv«
bezeichnen, da der Rezipient nicht zur Aktion herausgefordert wird,
sondern eher im Gegenteil zu einer ruhigen Aufmerksamkeit eingeladen
wird. Die Vorrichtung lässt ihm jedoch in einem begrenzten Spielraum
die Freiheit sich zu bewegen. Durch Änderung der Muskelspannung
und der Anordnung der Lautsprecher zueinander kann der Rezipient auch
die Wahrnehmung der Impulse verändern oder den Klangwegen durch
Bewegung nachfolgen.
Dieses Klangobjekt hat einen entspannenden Einfluss auf ihren Benutzer,
ich habe jedoch in der Komposition immer wieder überraschende
Momente eingefügt, die nicht nur als angenehm empfunden werden
somit auch andere Gefühle auslösen.